Wie arbeiten wir im Jahr 2026? – Jürgen Za (Microsoft) im Interview

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Jürgen Za, Leiter Mittelstand Marketing bei der Microsoft AG

Vor unserem Cloud Unternehmertag haben wir Jürgen Za, Leiter Marketing Mittelstand bei Microsoft zum Gespräch getroffen, um mit ihm über das „Neue Arbeiten“ zu sprechen. Laut Microsoft muss die Arbeit – insbesondere die Büroarbeit – neu erfunden werden. Denn gerade Wissensarbeiter profitieren von einem vernetzten, mobilen und zeitgemäßen Arbeiten.

Wie wird unser Arbeiten in fünf bis zehn Jahren aussehen?

Jürgen Za: Leider kann man das so pauschal nicht sagen – das wird sehr stark von der „Fähigkeit zu modernisieren“ der Unternehmen abhängen. Ein Handwerker wird meist vor Ort sein müssen, um etwas zu reparieren. Aber er sollte schon vorher genau wissen, welches Ersatzteil er braucht, wann seine Anfahrt am einfachsten und effizientesten und was die optimale Tageroute ist – das bringt ihm viele Vorteile. Auftragsanfragen, Angebote, Bestellungen und Rechnungsstellung werden sich drastisch vereinfachen. Hier werden das Internet der Dinge und Big Data einen starken Einfluss haben. Bei Wissensarbeitern sehen wir das jetzt schon in IT-Firmen, die sehr stark auf virtualisierte Zusammenarbeit und Teams setzen und je nach Bedarf Spezialisten zusammenbringen können. Auch die klassischen Bürotätigkeiten werden sich verändern und Heimarbeit wird sehr stark zunehmen.

Sie sprechen von den Vorteilen, die sich durch die Auflösung von Beruf und Privatem ergeben. Was aber ist mit den negativen Seiten, etwa dem Terror der ständigen Erreichbarkeit?

Es geht nicht um die Auflösung von Privatem und Beruf – sondern darum, dass sich die festen zeitlichen Blöcke auflösen werden. Einen Terror oder die Diktatur der zeitlichen Erreichbarkeit wird es sicher nicht geben, sondern eine neue Arbeitskultur, die im Rahmen der Gesetze durch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer geregelt sein wird .

Ist nicht bei flexiblen Arbeitsmodellen („Von überall arbeiten“) die Arbeitsbelastung im Endeffekt viel größer als in traditionellen Modellen?

Die traditionellen Modelle werden sich verändern, getrieben von neuen Arbeitnehmer-Generationen. Bei der ersten, der Industriellen Revolution, hatten sich zeitlich selbstbestimmte Bauern oder Handwerker als Arbeiter und Angestellte dem Takt der Produktion „unterzuordnen“ – und dies wurde damals auch zu Recht als belastend empfunden. Nicht zuletzt wird die Digitale Revolution, von der alle sprechen, auch Einfluss auf die Rahmenbedingungen der Arbeit haben. Übrigens arbeiten schon sehr viele Selbständige und Freelancer nicht mehr in dem traditionellen 9-to-5 Modell, sondern nach den jeweiligen Anforderungen, und das theoretisch von überall und wann immer nötig.

Skype, Telefonkonferenzen, Webinare… das ist schön und gut. Aber ist nicht „echtes“, direktes Teamwork Face-to-Face viel effizienter und vor allem wichtig für den sozialen Zusammenhalt im Unternehmen?

Da stimme ich ihnen zu hundert Prozent zu. Wenn Face-to-Face, dann sollten aber die Rahmenbedingungen stimmen. Unser neues Büro wird eine der modernsten Arbeitsumgebungen anbieten, um auf der einen Seite effizientes Teamwork zu unterstützen, aber auch die so wichtigen sozialen Komponenten in der Teamzusammenarbeit zu fördern. Ich habe schon in weltweiten Teams gearbeitet und kann bestätigen, dass die Kombination Face-to-Face und „von überall arbeiten“ kein Hindernis darstellen muss, um ein starkes Teamgefühl entstehen zu lassen, auch wenn wir uns nur zwei bis drei Mal im Jahr wirklich gesehen haben.

Jürgen Za spricht am 20. Januar 2016 live auf dem Cloud-Unternehmertag.